Donnerstag, 25. Februar 2010

Guten Abend allerseits!

Ohje, 19 Tage hab ich schon nichts mehr geschrieben. Heute hab ich schon die erste Beschwerde erhalten. Da hatte man sich extra den Tage frei genommen, um zu lesen, und dann… nix! Es tut mir leid, aber ich hoffe, die Modenschau war schön. Na dann werd ich mal erklären, was mich davon abgehalten hat:

Die letzten 2 Wochen waren super anstrengend. Wir hatten von Montag bis Donnerstag und die Woche drauf Donnerstag und Freitag jeden Tag Uni. (Jaja, bis jetzt nicht anstrengend, aber warte ab!) Ich hab ja schon geschrieben (glaub ich), dass wir in diesem Kurs keine richtigen Vorlesungen oder so haben, sondern dort den Theorieteil unserer (imaginären) Masterarbeit schreiben sollen. Und in den Treffen hatte dann jeder eine Stunde Zeit, in der wir über jede einzelne Arbeit diskutiert haben. Meine erste Deadline war Montag, Mittwoch sollte ich es vorstellen. Hm, also irgendwas sträubt sich in mir gegen diesen Kurs: Zur ersten Veranstaltung kam ich eine Stunde zu spät, weil ich irgendwie dachte, wir fingen um 2 an, nicht um 1. Wahrscheinlich hat mein Gehirn noch im Landau-Rythmus gedacht. Ja und Montag hab ich dann mitbekommen, dass ich mir den falschen Tag gemerkt habe, und nicht Dienstag meine Deadline ist, sondern eben Montag, zu diesem Zeitpunkt also vor 5 Minuten. Ohje!!! Also hab ich versprochen, es sofort morgen früh zu schicken. Nun, so kam es zu meiner ersten Nachtschicht in Schweden. 3 Energiedrinks (nein, Schleichwerbung interessiert mich grad nicht, wenn es Red Bull gewesen wäre, würde ich das sagen, es war aber X-Ray, kennt nur keiner, darum also Energiedrinks), eine Tafel Schokolade und 9 Stunden später war es geschafft und ich konnte ganze 3 Stunden schlafen. Ging aber nicht, denn irgendwie war ich so aufgedreht, dass ich nicht einschlafen konnte. Und dann hatte ich ja wieder Uni. Eigenartiger Tag. Selbst am Abend konnte ich nicht einschlafen. Egal! Das Seminar war ziemlich gut, ich habe sehr gute Tipps bekommen. Und so ging die ganze Arbeit dann weiter, denn am Montag, 12 Tage später war die finale Deadline (Gibt es etwas finaleres als eine Deadline? Kann man final steigern?). So hab ich also die ganzen letzten Wochen fast nichts anderes gemacht, als zu lesen und zu schreiben. Im letzten Seminar, am Freitag, hat einer meiner Leidensgenossen zur Freude aller gefragt, um wie viel Uhr wir denn spätestens abgeben sollen. Der Dozent antwortete „Ich habe extra keine Uhrzeit aufgeschrieben.“ Chor: „Midnight!“ Haha, ja, so kam es dann auch. Montag war schrecklich. Irgendwie wurde uns allen bewusst, dass wir ja noch hier und da was vergessen hatten, in dieses Buch nochmal reinschauen könnten oder unbedingt noch jene Quelle zitieren müssen. Puh! Meine Lieblings-Weißrussin war in der Bibliothek und ich saß an meinem Schreibtisch und wir hielten eine Dauerverbindung via Skype. Die Schweden aus unserem Kurs waren auch in der Bib und so hatten wir unsere Ressourcen gebündelt. „Mir fehlt die Definition.“ „Nimm Downs, S. XY, 1958, bla bla bla.“ (Bla bla bla funktioniert übrigens auch auf Schwedisch!) Um elf hat der erste Schwede abgeschickt. Ab 5 vor 12 kamen dann die nächsten 6 Arbeiten. Ich war noch fast „in time“, um 00:01 hab ich auf senden gedrückt. Unser Dozent hat bis 20 nach 12 am PC gesessen und muss seine wahre Freude gehabt haben. Warum ich weiß, dass es so lange wach war? Ja, Du wirst es nicht glauben: Er hat (erstmal jedem, zur Bestätigung, aber) mir zurück geschrieben „Thank you, but I’m missing your attachment.“ Ahhhhh! Gut, dass ich nochmal nachgeguckt habe, so hat er es dann doch noch in der Nacht bekommen. Hm, mal sehen, wie (oder vielmehr was) es wird, gut jedenfalls nicht. Um 3 ist mir z.B. eingefallen, das ich vergessen habe, das Literaturverzeichnis zu formatieren. Das sieht nun ungefähr so aus: Bal bal bal blabla… Peinlich, peinlich.

Zu meinem Dozenten will ich Dir auch noch was erzählen. Ein Erasmus-Leben ist leider nicht lebenswert, wenn man nicht bei Facebook angemeldet ist. Also musste ich im Januar wohl oder übel das virtuelle internationale Leben akzeptieren. Es hat allerdings auch überraschende Vorteile: Wenn man nach einem Namen auf Google sucht, erscheinen oft die Facebookseiten der Leute. Ich möchte ja wissen, was mein Dozent so arbeitet, zumal er nicht an der Uni arbeitet „im normalen Leben“ und so hab ich also gesucht. Er macht irgendwas in die Richtung Unternehmensberatung, aber das ist jetzt unwichtig. Er ist nämlich vor allem sehr aktiv auf Facebook unterwegs. Und da die ältere Generation anscheinend nicht weiß, wie man einstellt, dass nur bestimmt Leute sehen, was man so treibt, oder den Schweden tatsächlich so absolut völlig egal ist, wer was über wen weiß, kann man alle seine Pinnwandeinträge lesen. Ich zitiere (bzw. lasse Google übersetzen, leg dann selbst Hand an und zitiere dann also nur noch sinngemäß): „Die Studenten arbeiten wirklich hart.“ „Es macht Spaß mit einer solch fantastischen Studentengruppe zu arbeiten.“ Und so weiter und so fort. Hahaha!

Ein bisschen was anderes hab ich aber in den fast 3 Wochen doch noch gemacht und dass will ich Dir nicht vorenthalten:

Also das absolute Highlight der letzen Wochen war das Snowrugby. Das haben unsere Betreuer organisiert und eigentlich bin ich nur zum gucken und weil es Waffeln und heiße Schokolade gab hingegangen. Aber dann sah der Schnee so verlockend aus, dass ich doch mitgemacht habe. Das war soooo lustig! Wir waren (übrigens bei -20 Grad) auf einem Footballfeld auf dem so hoch Schnee lag, dass ich mit beiden Beinen komplett im Schnee eingesackt bin. Es ist wirklich unglaublich anstrengend, im unberührten Schnee zu laufen. Aber es macht so viel Spaß. Man kann sich fallen lassen, ohne dass man stürzt, und wenn doch, dann fällt man wie auf Wolken (ich behaupte jetzt mal einfach, dass es so ist, wie auf Wolken zu stürzen). Wunderbar. Und danach gab’s heiße Schokolade und Waffeln. Ebenso himmlisch. Auf die Waffeln kommt hier Marmelade und Zucker. Naja, ohne Zucker geht’s auch, liebe Schweden… 2 Stunden später hatte mich dann leider mein Paper wieder ein. Aber beim nächsten Mal bin ich sicher wieder dabei!

Irgendwann letzte Woche hat es morgens um 9 bei uns an der Tür geklingelt: Die Maler. Mal wieder. Die wollten doch tatsächlich unsere Wand streichen. Nein, ich mag meine lila Wand immer noch! Aber die wollten ganz unbedingt. Also haben wir gesagt, dass wir nicht da sind, wenn sie kommen wollen. Dann sind die abgezogen und haben gesagt, sie rufen an. Aber nix da, wir haben eine Taktik: Wir sind einfach nie da, wenn die kommen wollen. Bis jetzt hat es geklappt. Die Böden sind übrigens immer noch nicht gemacht und diese Maler wollen auch schon wieder nur die Wand machen und auf keinen Fall die Böden. Zeit, mal wieder bei StuBo anzurufen. Das Ergebnis: Die Maler werden mal wieder abbestellt, die Böden mal wieder bestellt. Mal sehen, wann die Maler wieder kommen.

Das war aber nur der Anfang eines richtig ereignisreichen Tages. Denn kaum 20 Minuten später klingelt es wieder und jemand stürmt in unsere Wohnung, guckt sich alle Lampen an, fragt uns, in dem er vor sich hin nuschelt, ob die Lampen schon seit Anfang an kaputt sind, läuft wieder weg, kommt 10 Minuten später wieder und schwupps, alle unsere Lampen gingen wieder. Und nun kommt das kleine Wunder: Bald darauf klingelt es und ja, endlich will jemand uns eine Tür bringen! Juhu!!! Juli hat nun eine nagelneue Tür. Wenn die nur nicht immer aufgehen würde, wenn man die Wohnungstür aufschließt, wäre an diesem Tag wirklich kein Wunsch offen geblieben.

Und dann war da noch der Traum eines Besuchs. Tristan ist seit gestern hier. Und dass er tatsächlich angekommen ist grenzt an ein Wunder. Am Donnerstag starte ich meinen Browser und was ist das erste was ich sehe? Die Meldung, dass die Piloten von Lufthansa und Germanwings (jaaa, Germanwings gehört zur Lufthansa, ganz sicher!!!) streiken wollen. Mir egal. Nein, doch nicht! Wann? Von Montag bis Donnerstag? Neeeeeeiiiiiiinnnnnnnnn! Ich hab diesen Mittwoch doch so lange herbei gesehnt… Dann war also 2 Tage purer Stress angesagt. Ersatzflug? Bahn? Sonntag schon fliegen? Kann ich meinen Urlaub nochmal verschieben? Wann kommt endlich der Ersatzflugplan? Hält sich Germanwings dran? Am Sonntag waren wir erstmal etwas beruhigt, der Flug stand auf dem Ersatzflugplan und die Crew hatte gesagt, dass sie fliegen will (jaja, man braucht Connections). Einen kleinen Schock gab’s noch, als irgendeine Zeitung berichtete, dass es Crews gab, die am Gate, AM GATE!!!, entschieden haben, nun doch zu streiken. Aber Montag Abend war der Spuk ja dann endlich vorbei. Aber nur der eine Spuk! Denn im Moment schneit es nicht nur in Deutschland wie verrückt, sondern auch hier. Schneestürme lassen die Bahn verzweifeln. Also haben die vorsorglich (bis einschließlich Samstag, verrückte Welt) einige Züge gestrichen. Am Dienstag Abend stand dann auch „endlich“ Tristans Zug drauf. Eigentlich stand auf dem Plan „Alle X2000 sind von Dienstag bis Freitag eingestellt“. Ahhhhh. Um halb vier morgens hab ich eine arme Frau aus dem Bett geklingelt und sie gefragt, was wir machen können. (Da fällt mir ein, Du solltest unbedingt mal nachts, natürlich nachts, weil Studenten ja immer so lange arbeiten müssen, bei der 24-Stunden-Hotline der IKK anrufen. Das ist die helle Freude. Die haben anscheinend nur einen Menschen, der da Nachtschicht hat, und der legt sich dann halt zwischendurch auch mal hin. Und so kann man innerhalb von 20 Minuten ein und die selbe Dame gleich zweimal aus dem Schlaf reißen. Ich mag 24-Stunden-Hotlines!) Die hat dann nachgeguckt und ausgerechnet der eine Zug fährt. Hm, wirklich ruhig hab ich danach nicht geschlafen. So ein bisschen Verspätung hab ich mir ja sogar gewünscht. Ich hatte nämlich meine erste Veranstaltung vom neuen Kurs. Und die ging bis 3, der Zug sollte aber planmäßig um 2 da sein. Aber das hab ich nicht geglaubt, denn sogar bei unserer Ankunft, als weit und breit kein Schneesturm oder ein eigenartiges Wetter zu sehen war, hatten wir am Ende fast 2 Stunden Verspätung. Aber was sagt man dazu: Nicht nur der Flieger ging (pünktlich), auch die Bahn war (wahrscheinlich das erste mal in ihrer Geschichte) pünktlich. Also war ich am Ende die einzige, die für Verzögerung gesorgt hatte, denn ich konnte erst um 2 aus der Uni verschwinden. Armer Tristan, grade in Schweden angekommen, ohne warme Unterhose (die hab ich nämlich aus Versehen eingepackt), einer der kältesten Tage seit langem und dann musste er auch noch 15 Minuten auf mich warten. Aber jetzt ist alles gut!

Für das Wochenende haben wir ein Auto reserviert und wollen ein bisschen die Gegend erkunden. Das mit dem Auto war gar nicht so einfach: Man muss im Internet bestellen, weil es sonst sehr teuer ist. Also hab ich mir das auf der Homepage angeguckt und hab (hätte) sogar einen Studentenrabatt bekommen. Aber dann: Ich bin ja unter 25. Darum müsste ich, wenn ich fahren wollte, 10 Euro pro Tag für eine Extraversicherung bezahlen. Aber ich will ja auch gar nicht fahren. Nun hat aber der Tristan keine Kreditkarte. Der Fahrer muss aber auch bezahlen. (Was ein Quatsch!) Von Deutschland kann man aber eben nur mit Kreditkarte in Schweden ein Auto buchen (zumindest auf der Seite). Kompliziert, kompliziert. Das hat auch der Herr von der Hotline (am Nachmittag!) gemerkt und musste erstmal seinen Chef fragen, was wir da machen können. Was ein Quark: Ich will doch nur bezahlen, darf aber nicht, weil ich nicht fahren will, bzw. keine 40 Euro dafür zahlen will, dass ich eh nicht fahre. Nun hat er das Auto für uns reserviert und wir zahlen bei Abholung. Ich bin sehr gespannt, wie das laufen wir. Ich denke, nicht reibungslos.

Du wirst es erfahren!

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