Freitag, 12. März 2010

Liebe Leute!

Meine Schreibabstände werden ja immer länger. Ohjemiene! Aber diesmal keinen Beschwerden.

So, ich habe eine traurige Mitteilung zu machen: Snowrugby wird es wohl keines mehr geben und auch kein Schlittschuhlaufen und kein Eiskratzen und nix… seit 3 Tagen haben wir über 0 Grad. Ja, liebe Leute, hier ist es wärmer als in Deutschland. Aber seid nicht traurig, das ist ein ganz schreckliches Wetter. Die ganze Stadt ist ein Swimmingpool und abends eine Schlittschuhbahn. (Hm, dann kann ich ja vielleicht doch noch Schlittschuhlaufen gehen. Aber im dunkel ist das vielleicht auch nicht so prickelnd.) Man kann nirgends trockenen Fußes ankommen und dreckig wird man nun auch. Und das schlimmste: man muss aufpassen, dass man nicht in Hundescheiße tritt. Im Schnee hat man das ganz gut gesehen und selbst im Fall der Fälle hat es garnix gemacht, weil es tiefgefroren war, aber jetzt ist das schon ganz schön eklig. Ach, hätte ich doch meine Gummistiefel mitgenommen… Den Schweden scheint es übrigens zu gefallen. Mir nicht! Hab ich eigentlich schon mal erzählt, wie die hier Streuen? Mit lauter kleinen Kieselsteinen. Und da ja der Schnee im Winter nicht weg taut, sondern immer neue Schichten drauf schneien, muss da natürlich auch immer eine neue Schicht Kiesel drauf. Und nun ist der ganze Schnee weg und die Kiesel sind noch da. Die sind zum Teil 5 cm hoch, das ist echt lustig. Da rutscht man mehr als auf dem Schnee. Angeblich werden die von einer Maschine aufgesammelt. Ich frag mich, wo die die lagern. Das hört sich ja an, als wär hier überhaupt kein Schnee mehr. Hm, nein, das stimmt so nicht! Nur auf der Straße liegt keiner mehr. Und da wo vorher 1 Meter Schnee war, liegt jetzt nur noch ein halber Meter. Der Grill vom Nachbarn ist schon wieder zum Vorschein gekommen, aber sieht noch immer ziemlich lächerlich aus.

So einmal Rückwärtsgang rein und zurück in die Vergangenheit. Fluxkompensator, tu deine Arbeit!

Das Auto haben wir tatsächlich ohne irgendein Problem bekommen. Klar, das wollten die ja auch loswerden. Riesiger Riss in der Scheibe („Ne ne, das macht garnix, fahren Sie ruhig.“), der Rückwärtsgang musst manchmal festgehalten werden, damit er drin bleibt, die Tankanzeige sollte laut Vermieter nicht anzeigen, dass sie ganz voll ist, sondern immer bei kurz vor voll stehen bleiben, was dann aber gar nicht so war, Scheibenwischer von vor 20 Jahren, die alles nur noch mehr verschmiert haben („Ja, die müssen wir mal austauschen, wenn Sie das Auto wieder bringen.“) und der Handfeger war lebensgefährlich!
Richtig, da war ein Handfeger im Auto, den man hier auch gut gebrauchen kann. Als Tristan da war, hat es ja noch richtig geschneit (ich könnt weinen, ich will Schnee… und den Tristan hier) und damit man dem armen Auto nicht mit ‘nem Schneeschieber zu Leibe rücken muss, hat hier anscheinend jeder einen Handfeger mit extra langem Stil und harten Borsten. Damit kann man schön alles sauber machen, wenn nicht am unteren Ende etwas abgebrochen wäre und da nun neben einem scharfen Stück Plastik auch noch zwei rostige Nägel wären. Ich hab mir direkt mal die Hand aufgeschnitten und Panik gekriegt. Aber bisher ist noch kein blauer Kreis zu sehen. Sonst noch Symptome, auf die ich achten muss?
Am Freitag war leider kein gutes Wetter um durch die Gegend zu fahren. Darum haben wir nur einen Großeinkauf bei Lidl gemacht und waren bei Max. Max ist ein Hamburgerrestaurant, oder restaurang, wie die Schweden sagen, nein schreiben, und hat laut eigener Werbung die besten Hamburger Schwedens. Ui, wir waren so aufgeregt. Im Hotel gab es ja Würstchen zum Frühstück und sowohl bei McDonalds als auch bei Max hatten die Bilder von diesen Würstchen am Tresen, die man als Beilage haben kann, dachte ich. Also habe ich mein Menü mit Würstchen bestellt. Die hat mich ziemlich komisch angeguckt und ich musste das 5 mal wiederholen. Und am Ende hatte ich Onionrings. Auch lecker, aber nicht was ich wollte. Beim Rausgehen hab ich dann gesehen, dass das gar keine Würstchen waren, sondern Möhren. Upps… Du willst bestimmt wissen, ob es wirklich die besten Hamburger waren. Ja, die waren schon sehr gut. Aber leider sind die Portionen da so klein, dass man danach glatt noch zu McDonalds muss, damit man satt wird.

Am Samstag haben wir uns die Stadt und den Hafen angeguckt und sind dann auf die Insel Alnön vor Sundsvall gefahren. Das ist so schön da. Richtig schwedisch, glaub ich. Mit einem Märchenwald und tollem Ausblick (bei gutem Wetter, denk ich). Zwischen Alnön und dem Festland ist ja nun mal per definitionem Wasser. Und da, in der Mitte von dem Wasser ist ein ganz winziger Weg für die Schiffe frei gemacht. Das sieht echt lustig aus. Mit ganz vielen Eisschollen drauf. Ich frag mich allerdings, was die machen, wenn sich da mal zwei Schiffe entgegenkommen. Die passen da sicher nicht nebeneinander. Auf dem Rückweg ist uns aufgefallen, dass hier einige Straßen rot sind. Also der Asphalt ist rot. Warum denn das? Dagmar? Eigenartig. Am Sonntag sind wir dann etwas weiter gefahren. Wir waren in Härnösand (falls Du jetzt auf google maps Härnösand suchen solltest, dort heißt es, warum auch immer, Härnosänd). Eine schöne kleine Stadt. Wir haben hübsche Villen gesehen und unsere Schwester-Hochschule, die allerdings nicht halb so schön ist, wie unsere. Dann haben wir uns überlegt, noch ein bisschen ins Landesinnere zu fahren. Wunderschön. So viele Berge und Wälder und Seen. Und kaum ein Haus. Aber: Ich hab Pferde gesehen. Die ersten Tiere, die ich hier sehe. Das macht das Land irgendwie lebendiger für mich. In Landau war das ja am Anfang auch so komisch, bis ich irgendwann mal ein paar Schafe entdeckt habe. Ist aber nicht das gleiche. Ich hätte gerne Kühe! Oder eben Pferde, das geht auch. Irgendwann sind wir hungrig geworden und haben uns entschieden, die nächste Stadt, die auf der Karte fett gedruckt ist, anzusteuern. Das war leider Kramfors. Da ist Sonntags echt tote Hose. Am Ende unserer langen Suche nach einem geöffneten Café mussten wir Fika in einer Tankstelle machen.

Fika! Ich hab noch gar nicht von der tollsten schwedischen Erfindung erzählt, die man sich überhaupt nur wünschen kann! Fika (spricht man mit langem, betontem i) ist sowas wir eine Kaffeepause. Und es ist eine Institution! Man trifft sich, trinkt einen Kaffee, ist ein Stück Kuchen oder einen Keks und erzählt. Bei uns dauert die Fika immer eine Stunde. Ich hab keine Ahnung, wir lang die Schweden Fika machen, aber ich weiß, dass sie mindestens eine am Tag haben, nachmittags, manchmal auch noch morgens, und sie lieeeeeben ihre Fika. Im Media-Institut gibt es sogar extra einen Fika-Raum. Und hört sich das nicht auch viel schöner an, wenn man fragt „Machen wir Fika? “ als „Gehen wir einen Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen?“? Ich finde schon. Auf dem Bild siehst Du meinen lieblings Fika-Keks.

Abends waren wir im Casino. Wir waren ein bisschen scheu, aber die Aufpasser, oder was immer die Menschen da sind, waren echt nett und haben uns alles erklärt. Die sind sogar zu uns gekommen und haben uns die Maschinen erklärt. Nirgendwo hatten wir Glück, außer bei der Maschine mit dem geringsten Einsatz. Da waren wir dann eine Stunde und Tristan hat alles, was ich mühsam erspielt habe, wieder verloren. Zumindest saß er auf dem Stuhl, ich hab den Knopf gedrückt. Wer war’s jetzt schuld? An die Tische im oberen Geschoss haben wir uns nicht getraut, nachher hätten wir noch unsere Wohnung verloren oder so. Da spiel ich lieber mit dem Opa um Streichhölzer.

Am Montag waren wir beim Eishockey in Timrå. Der Timrå IK Red Eagles spielt in der ersten Liga und das war echt aufregend. Glücklicherweise hatten wir Karten für das Derby gegen Modo bekommen. Stell Dir mal vor, Köln spielt gegen Leverkusen, da gibt es extra Fanzüge, einen extra Eingang und sehr, sehr viel Security. Aber hier doch nicht! Hier standen die gegnerischen Fans im gleichen Block, wie die heimischen Hardcorefans, hatten den gleichen Eingang, das gleiche Klo und immer nur begleitet von 5 Security-Hanseln. Ne, gar nicht begleitet, die sind nämlich 5 Meter von denen entfernt gewesen und haben Fika gemacht. Ich glaub, Tristan und ich waren die einzigen im ganzen Stehblock (Nennt man das so? Bestimmt nicht, aber Fanblock kann man es ja auch nicht nennen. Oder doch, weil es ja tatsächlich Fans waren, wenn auch von den Gegnern?) die keine Trikots anhatten. Das war ein bisschen gruselig. Ich bin nicht sicher, ob das mein erstes Eishockeyspiel war, oder ob ich schon mal in Hennef war, auf jeden Fall war es sehr eindrucksvoll. Erstmal der Fanblock (ich sag jetzt doch Fanblock). Da war alles bis auf den letzten Zentimeter voll Menschen. Weil das so ungemütlich da war, haben wir nach der ersten Pause die Taktik entwickelt, immer bis 2 Minuten nach Anpfiff (?) zu warten und dann sind wir erst wieder rein gegangen. So hatten wir nämlich die allerbesten Plätze, irgendwo auf der Treppe, wo eigentlich niemand hin darf. Dann das Spiel selbst. Der Puck wurde von einem kleinen süßen LKW aufs Feld gefahren. Das war aber auch alles, was da süß war. Da gings ganz schön zur Sache (auch wenn Tristan meinte, das wäre gar nicht so ein spannendes Spiel gewesen). Schon nach wenigen Minuten kam der Arzt das erste Mal (und auch das letzte Mal, Gott sei dank) aufs Eis und musste einen Spieler behandeln, der volle Kanne gegen die Bande gelaufen ist, weil er seine Mannschaft retten wollte. (Ich finde, Mannschaft sollte man mit einem n schreiben dürfen!) Florian, der eingefleischteste Eishockeyfan hier, hat mir aber nachher gesagt, dass der nach einer Pause wieder gespielt hat. Gut so! Irgendwann hab ich den Puck nicht mehr verfolgen können und hab ein bisschen rum geschaut. Da fiel mein Blick auf die Ersatzbank und ich bin richtig erschrocken. Mit einem Mal hüpfen da vielleicht 8 Spieler über die Bande und rennen (fahren sehr schnell, rasen?) auf das Tor zu. Ich dachte, jetzt gibt’s ne Prügelei. Haha, neeee, die haben nur ausgewechselt und das muss beim Eishockey wohl sehr schnell gehen, weil die ja für allen Scheiß die Uhr anhalten, aber nicht zum Auswechseln. Ne Prügelei gab’s dann aber doch noch, naja, zumindest ne halbe, und zwar, als die Gegner am Torwart rumgezogen haben. Das verstößt wohl gegen irgendeinen Ehrenkodex. Aber die Schiedsrichter waren schnell da und haben alle auseinander gezogen. Ne, eigentlich haben die nicht alle gezogen, die hatten nämlich ganz unterschiedliche Techniken, die Spieler wieder zu beruhigen. Der eine hat die tatsächlich auseinander gezogen, der andere hat die dagegen kuscheln lassen und auch selbst mal mitgemacht. Danach hatten sich alle wieder lieb. Timrå hat übrigens gewonnen und als alle angefangen haben zu jubeln, haben die Sicherheitsleute, die während des Spiels immer alle ermahnt haben, die gegen die Scheibe geklopft haben, selbst ziemlich doll dagegen gehauen. Das ist Konsequenz! Kurz vor Schluss wurde es ganz unruhig und die schlauen Menschen sind alles schon gegangen. Jaja, sehr schlau, denn das Leeren des Parkplatzes ging nicht ganz so organisiert zu, wie das Füllen. Bei der Einfahrt mussten wir ein Ticket kaufen und dann wurde jedes einzelne Auto zu einem Parkplatz gelotst. Die haben sogar drauf geachtet, das man bis auf 5 cm (oder so) richtig parkt. Für das Runterfahren haben wir dann leider eineinhalb Stunden gebraucht.

Dienstag gings dann nach Stockholm. Eigentlich hatten wir den Zug um 10 gebucht, aber wegen dem bereits erwähnten Schneefall, war der Zug abgesagt worden und wir mussten um 6 Uhr losfahren. Nun, so hatten wir wenigstens einen ganzen Tag in Stockholm. Obwohl ein halber auch gereicht hätte. Wir hatten im Internet ein 4-Sterne-Hotel zu einem Spott-Preis gebucht. Das hätte uns eigentlich was sagen sollen. Aber wer rechnet damit, das ein 4-Sterne-Hotel auch Hostel-Zimmer hat? Vielleicht war das aber auch ein Hostel, aber das s am Eingangsschild war abgefallen? Wundern würds mich nicht. Also, von außen sah es aus, wie ein Plattenbau. Nein, es war und ist auch einer. Aber an der Rezeption war es erst mal ganz schön. Wir wurden auch sehr nett begrüßt und die Dame sagte uns dann noch, wir wären geupgradet (was ein Wort!) worden auf die Superior-Class. Haha! Schon auf dem Weg zum Zimmer hat man die Kotzflecken auf dem Teppichboden im Flur gesehen. Das Zimmer war irgendwie nicht richtig sauber, das Bettlaken war zu klein, die Duscharmaturen verrostet und die Dusch-/Badewanne aus Alu, so dass es durch das ganze Hotel gedröhnt haben muss, wenn man auf eine der Dellen getreten ist. Wir haben dann auf der Homepage erstmal geschaut, warum wir jetzt Superior-Class sein sollen. Jaaaa, wegen dem kostenlosen Shampoopröbchen und dem großen Bett, das mitten in der Nacht auseinander gerutscht ist, sodass ich am Morgen mit den Beinen am Boden hing. Aha. Aber wir haben uns nicht beschwert, denn danach haben wir die Preise gesehen, die man zahlt, wenn man direkt bei denen bucht. Das 10-fache!!! Wahnsinn. Und wenigstens hatten wir den einzigen Balkon auf der Etage und von dort aus konnte man prima die sonnenerleuchtete Straße lang schauen. Und dann sind wir eh in die Stadt gegangen. Also haben wir an der Rezeption gefragt, wo denn der Globe ist, zu dem wir am Nachmittag wollten, weil wir eine Aufzugfahrt gebucht haben. Hört sich komisch an, ja! Später mehr. Und dann hat die uns freundlicherweise noch erklärt wie wir „downtown“ kommen. Wohl wissend hat sie das nicht in die Karte eingetragen, sie hat uns nämlich ziemlich falsch geschickt. Wir sind 2 Stunden durch Büroviertel gelaufen und haben ein Café oder wenigstens ein Geschäft gesucht. Ich brauchte nämlich neue Schuhe, weil meine auf der Hinfahrt im Zug kaputt gegangen sind. Aber nichts! Hier mal ein Architekt mit Schaufenster und da eine Schule aber kein Geschäft. Sehr komisch. Dann sind wir zur nächsten großen Straße gelaufen und haben eine Halle entdeckt, die sehr schön aussah und in die viele Leute reingegangen sind. Wir auch. Das war eine Markthalle mit ganz viel frischen Lebensmitteln. Das war wirklich schön. Und endlich konnten wir auch was essen und so hatten wir das teuerste, aber auch höchste Sandwich (mindestens 8 cm), das man nur finden kann. Weil der Tristan sich das Stadion angucken durfte, dass wir entdeckt hatten, durfte ich mir das Parlament, den Riksdagen, angucken. Ich hätte nicht erwartet, dass man da einfach so rein darf, aber wir mussten nur durch einen Sicherheitsschleuse und dann konnten wir uns auf die Tribüne setzten. Da saßen wir also und haben nach Parlamentariern gesucht. Haben aber keine weiteren gefunden, außer den Sechsen, die da saßen und wild argumentiert haben. 6 Abgeordnete und 50 Zuschauer, schon komisch. Ich hab ein Foto gemacht (das wurde mir nach kurzer Diskussion mit dem Sicherheitsmann erlaubt, krass!), für die nächste Diskussion um Arbeits- und Redeparlamente bin ich gewappnet! Die nächste Überraschung erlebten wir, als wir aus dem Riksdagen raus kamen und uns zufällig nochmal Richtung Stadt drehten. Daaaaa! Geschäfte! Und Cafés! Also haben wir weiter nach Schuhen und Kaffee gesucht. Kaffee haben wir gefunden, Schuhe erstmal nicht. Dann sind wir zum Globe. Das ist eine Halle, die die Form einer Halbkugel hat. Seit Februar gibt es da eine gläserne Gondel, die außen hoch fährt und oben hat man dann einen Blick über Stockholm. Hm… Es wurde uns gesagt, dass wir 15 Minuten früher da sein sollen. Also waren wir das auch und ich hab den Herrn gefragt, ob er Englisch spricht und ihm unsere Tickets gegeben. Nach dem ich nochmal gesagt habe, das ich kein Schwedisch spreche, hat er uns dann auf Englisch gesagt, das wir nochmal gehen können, weil die immer „in time“ sind und wir erst um Punkt 5 da sein müssen. 5 Minuten später hab ich den gleichen Mann gefragt, wo die Toiletten sind. Da antwortet der doch glatt wieder auf Schwedisch. Also nochmal, „Entschuldigung, ich spreche kein Schwedisch!“. Und um Punkt 5 ruft der Mann irgendwas mit Tour und klockan 5. Das hatte was mit uns zu tun, da war ich mir sicher, aber was, weiß ich nicht, weil er wieder nur auf Schwedisch gesprochen hat. Man, man, man. Ich hab nix dagegen, dass man in Schweden Schwedisch spricht, aber wenn man „DIE Touristenattraktion“ sein will, naja! Mit 15 Minuten Verspätung (das war es wohl, was der uns sagen wollte) wurden wir dann in einen Raum geführt, haben uns einen Film über den Bau der Halle angeguckt (sehr spannend) und dann gings los. Wenn man nicht weiß, wo was ist, die Aufsicht nicht auskunftsfreudig ist und dazu auch noch schlechtes Wetter kommt, ist das ganze leider wenig spannend. Naja, wir haben es mal gemacht. Neben der Halle ist eine große Einkaufspassage, die vor unserer Fahrt so leer war, wie die Citypassage am Sonntag, und danach so voll, wie die Citypassage, wenn das Kino samstags um 22 Uhr aus ist. Wahnsinn! In nur 30 Minuten kamen so viele Leute, dass in keinem einzigen Restaurant mehr ein Platz war. Die haben sogar Schlange gestanden, um bei McDonalds überhaupt reinzukommen. Das Geheimnis hat sich gelüftet, als einer die Jacke aufgemacht hat: es war Eishockey! Und endlich hab ich auch halbwegs tragbare Schuhe gefunden (meine Ausführungen über Schuhe hast Du ja vielleicht schon gelesen, in meinem Eintrag vom 27. Januar). Sie sehen immer noch sehr schwedisch aus, aber naja, ich bin schließlich in Schweden und 60% Rabatt hab ich auch noch bekommen. Das war zwar eigentlich ein doofer Tag, aber wir haben ihn uns trotzdem ganz schön gemacht, wir haben einfach über alles gelacht, mal lauter, mal leiser (war dann auch besser so). Der nächste Morgen war leider nicht ganz so schön, weil Tristan wieder heim geflogen ist. Ich musst noch eineinhalb Stunden auf meine Bahn warten, hab mich in ein Café gesetzt und hab aufs Rollfeld geguckt um zu winken. Aber irgendwie kam und kam keine Germanwingsmaschine. 30 Minuten nach dem geplanten Start, stand der immer noch auf dem Abflugplan. Komisch. Vor allem, wenn man den Grund weiß: Das Auto, das den Flieger zum Rollfeld bringen soll, war kaputt. Hahahaha! Aber leider sind die dann doch irgendwann losgeflogen.

Der Rest der Woche war nicht sehr spannend. Ich hatte ein paar mal Uni und am Freitag hatte ich meine erste Schicht im Kårhuset (also eigentlich muss das ja Kårhus heißen, denn das -et ist ein bestimmter Artikel, aber irgendwie hört sich Huset schöner an als Hus). Ohje, die drei Inder, die mit uns gearbeitet haben, haben ganz schön Chaos gemacht. Aber sonst war es lustig und wir haben alle 5 Euro Trinkgeld verdient. Dummerweise war an dem Abend das Thema „Suit-up“, darum hatte ich ein Kleid mit nur einer Strumpfhose an. Gleichzeitig waren um die -15 Grad und wir sind nach Hause gelaufen. Danach sahen meine Beine aus, als hätte ich 2 Stunden zu lang in der Sonne gelegen. Man kann also auch im Winter einen Sonnenbrand kriegen. Oder war das der vielbesagte Gefrierbrand? Ach, hätt‘ ich doch Toppits gekauft. Samstag wollten wir eigentlich einen Spaziergang machen und einen Hügel suchen, den wir auf Plastiktüten runterrutschen können. Irgendjemand ist dann aber auf die wunderbare Idee gekommen, auf den Nordberg zu steigen, aber dass nicht normal, auf den befestigten, oder wenigstens plattgetretenen Wegen, sondern grade hoch, einfach den Tierspuren folgend. Sowas anstrengendes hab ich noch nicht erlebt!  Schon allein einen Berg grade hoch zu besteigen ist dumm. Und dann auch noch bei 1 Meter hohem Schnee und ohne Trampelpfad. Sehr dumm. Oben war es zwar richtig schön, aber wir waren so durchgeschwitzt, dass wir ganz schnell wieder nach Hause gegangen sind, dass wurd nämlich echt kalt. Dienstag hatte ich wieder Uni und diesmal bei einer anderen Dozentin (in diesem Kurs haben wir insgesamt 3 Dozenten). Das ist eine ältere Professorin, mit goldenem Handtäschchen und so. So hat sie sich auch angestellt. Sie hatte Folien für den Overheadprojektor dabei. Als sie den anstellt, sag ich noch zur Yuliya „Der steht falsch rum!“. Wir saßen nämlich in einem sehr kleinen Klassenraum in einem U. Vorne stand sie mit ihrem Projektor, in der Rundung saßen wir. Und die Klappe vom Projektor zeigte zu uns, also falsch rum. Meinst Du, das hätte die gestört? Nein! Sie hat einfach gegen die Wand hinter uns projiziert. Weil wir dachten, wir müssten mitschreiben, hat das meinem Rücken gar nicht gut getan. Als dann die gefühlt 10. Folie kam, sind wir alle aufgestanden und haben uns auf ihre Seite gesetzt. Sachen gibt’s Seit Mittwoch ist die Kati hier. Das ist wirklich schön! Wir haben einen Stadtbummel gemacht und sie tobt sich in Schwedisch aus. In einem Geschäft hat sie mich gezwungen (naja, eigentlich hab ich mich selbst gezwungen und sie hat mir Mut zugeredet), auf Schwedisch mit der Verkäuferin zu sprechen. Das war echt toll, denn die hat mich nicht komisch angeguckt, sondern hat dann mit mir geübt, wie ich das richtig sage. Total nett und sehr geduldig.

Im April fahr ich übrigens nach Kiruna in Lappland. Ich freu mich total. Da werden wir Hundeschlitten fahren, in einer Lappen-Hütte übernachten, das Eis-Hotel besichtigen und und und! Juhu!!!

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