Freitag, 21. Mai 2010

Hej!

Man man man, ich komm überhaupt nicht mehr zum Blog schreiben. Darum kommt hier erstmal der erste Teil von einigen.

Meine äußerst erfüllende Aufgabe im Moment ist ein Film. Nein, ich gucke nicht die ganze Zeit Filme. Wir machen selbst einen. Vor 7 Wochen hat der Kurs angefangen, der witziger weise “Photographie” heißt und in dem wir einen Kurzspiefilm produzieren sollen. (An die OKler und alle anderen Kundigen: Wie heißt das in Deutsch? Kurzspielfilm ist wohl kaum das richtige Wort.) Wir haben viele Vorlesungen, sollten eigentlich vor 2 Wochen das Shooten abgeschlossen haben, und sind momentan beim Schneiden, obwohl noch immer Szenen fehlen. Es macht mir viel Spaß mit unserer Gruppe zu arbeiten. Wir sind 4 und (fast) alle voll motiviert. Bas hat die Idee geliefert und nun versuchen wir, die zu verstehen. Wenn alles fertig ist (27. Mai ist glaube ich Deadline) werde ich den Link zum Film hier rein stellen. Und bis dahin kannst du unsere Videoblogs, die wir jeden Freitag abliefern müssen, und den Trailer hier sehen. Unser Film heißt Copy Past. Ja, Past, nicht Paste! (Das Laden der Filme dauert ewig und lohnt sichauch nicht wirklich 😉 Aber wer es trotzdem sehen will, bitte!)

Ende April war ich endlich in Lappland. Eigentlich wollten wir schon Donnerstags los. Aber die Woche vorher haben wir erfahren, dass wir da einen Vorlesung haben und da unbedingt hin müssen. Blödes System hier. Alles erfährt man so spät. Nach viel hin und her Überlegen haben wir dann alles verschoben und sind Freitag Abend losgefahren. Erst eineinhalb Stunden im Bus zu dem einsamsten Platz auf der Welt. Und da mussten wir dann eine Stunde warten. Nicht mal einen Kaffeeautomaten gab es da. Aber… immerhin hatten wir einen Müllbeutel im Mülleimer. Das ist ja auch nicht selbstverständlich. Um die Zeit zu vertreiben haben wir Pantomime gespielt und gesungen. Weil wir so viel Spaß hatten, haben wir darüber aber leider einen Rucksack im Bahnhof vergessen. (Gott sei Dank nicht meiner, ich wäre ausgeflippt.) Freundlicherweise hat die Schaffnerin jemanden angerufen, der ist dann wohl dahin gefahren, oder so, und jedenfalls hat jemand den Rucksack in den nächsten Zug gesetzt und am nächsten Nachmittag kam er an.

Deswegen konnte Sophie dann aber leider nicht mit ins Eishotel. Wir hatten ja gedacht, weil alle jetzt schon da waren und wir hunderte Fotos von Kiruna gesehen haben, lohnt sich das vielleicht garnicht mehr so sehr. Aber falsch, es war unglaublich beeindruckend und die schönsten Räume im Hotel haben die meisten garnicht fotografiert. Dafür jeder einzelne von uns. Wir hatten solch ein Glück mit dem Wetter. dass wir aus dem Hotel (-5 Grad) rausgegangen sind, um uns aufzuwärmen. Das Eishotel besteht, wir der Name schon sagt, aus Eis. Das wird aus dem Fluss nebenan rausgesägt und dann bearbeitet. Jedes Jahr bauen die neu. Im Internet steht irgendwo, dass die die alten Eisblöcke und einige alte Kunstwerke in einem Kühlhaus lagern. Na, ob das stimmt? Mehr als die Hälfte der 50 oder 60 Räume wird von Künstlern gestaltet und da kommen Sachen bei raus, einfach wahnsinnig. Den meisten Spaß hatten wir im Kinderzimmer. Da gab es eine Eisrutsche, die ist jeder mindestens zwei mal runter gerutscht. Nachdem wir dann noch die Eisbar besichtigt hatten (Da gibts übrigens “no more warm drinks”, warum?) wurde es dann etwas langweilig und kalt und wir haben uns ein Café gesucht. Wahrscheinlich gibts in dem ganzen Dorf nur ein einziges. Das ist ein Saami-Café. (Zu Saami und Lappen erzähl ich später noch.) Das war richtig schön. Die haben eine keine Holzhütte und daran ein Zelt mit Feuer. Und zu Essen gabs Rentierfleisch und Lappenbrot. Das war lecker, aber es geht leckerer… Nach einer Stunde waren wir fertig geräuchert und haben noch die schöne, kleine Kirche nebenan besichtigt. Die hat tolle Wandmalereien. Ganz bunt. Dann sind wir in das Restaurant gegangen und haben schon wieder Kaffee getrunken. Und dann gings zurück nach Kiruna. Irgendwo auf dem Weg hab ich leider meine Mütze verloren. Außerdem war es so sonnig, dass wir unbedingt noch Sonnenbrillen brauchten für unsere Tour am nächsten Tag. Um halb vier waren wir wir wieder in der Stadt und bis auf den ICA und die Touristeninfo hatte alles geschlossen. Das sind tolle Arbeitszeiten. Die machen um 10 oder 11 auf und zwischen 1 und 3 wieder zu. Und kein Geschäft hat die gleichen Öffnungszeiten wie ein anderes. Aber zum Glück sind wir noch zur Touristeninformation gegangen, die hatten nämlich wenigstens eine Mütze für mich. Und außerdem ein paar Tipps, wo man Polarlichter sehen kann. Darum haben wir uns dann um halb 10 aufgemacht. Erst sind wir auf einen Spielplatz um die tolle Seilrutsche auszuprobieren und dann einmal auf die andere Seite der Stadt. Aber es war so bewölkt abends, dass man überhaupt nichts gesehen hat. Naja, wir waren müder als enttäuscht und außerdem versprach die Tour, genannt “Northern Lights Tour”, ja vielversprechend zu sein.

Kiruna ist übrigens eine Stadt, die es ohne die Einsenerzmine darunter garnicht geben würde und die es wegen der Eisenerzmine darunter in einigen Jahren nicht mehr geben wird. Verwirrend, was? Die Stadt hat sich um die Mine gebaut. Fast jeder in Kiruna arbeitet dort oder im Tourismus. Der ganze Staub lässt die Stadt nicht grade schön aussehen und die riesigen Berge mit Stufen sehen auch nur in der Nacht schön aus. Da sind die Stufen nämlich beleuchtet und es sieht aus, als würde die Titanic vorbeifahren. Man hat uns gesagt, dass die Leute in Kiruna garnicht freundlich zu Touristen sind, weil die so ungern da leben und am liebsten weg wollen. Der Wunsch wird ihnen nun auch erfüllt. Denn weil die unter der Stadt Schächte gebaut haben, ist da nun alles instabil und Kiruna muss umziehen. Die ganze Stadt wird wenige Kilometer weiter neu aufgebaut. Aber nur wenige Kilometer, da wär ich auch motzig. Übrigens gibt es noch etwas sehr unschönes zu berichten. In der Bibliothek haben unsere Gruppenkameraden, die schon einen Tag vorher angereist sind, ganz viele pakistanische Bücher (und Bilder von nackten Frauen in der Kinderabteilung) gesehen. Das waren so viele, dass die am nächsten Tag unseren Hundeschlittenfahrer gefragt haben, warum. Und der hat uns erklärt, dass alle Flüchtlinge, die nach Schweden kommen, erstmal in Kiruna auf ihr Visum/Asyl, was auch immer, warten müssen. Das stell ich mir schrecklich von. In Kiruna gibts nix außer Natur und Schnee und der Karabat-Mühle.

Das Hostel war übrigens passen dazu der reinste Bunker. Kein Fenster, die Decke 50 cm über dem Bett… Die Dame an der Rezeption war auch nicht die Freundlichste. Und um 10 vor 8 kam die in die Küche und fragte, ob wir wüssten, dass sie um 8 die Küche zu macht. Also haben wir uns gaaaanz doll beeilt mit Essen und Spülen. Und um 8 kam die dann mit einem ganz bösen Gesichtsausdruck, hat uns rausgeworfen und einfach die Tür zugemacht. Nicht abgeschlossen oder so, nein, einfach zu gemacht. Oh man. Und wir hatten Steine im Magen, vom schnellen Essen.

Aber am nächsten Morgen gings dann endlich los auf die Tour. Wir wurden abgeholt und warm eingepackt und dann sind wir mit 2 Hundeschlitten und einem Schneemobil losgedüst. Die Hunde waren so unglaublich schnell, das glaubt man nicht. Naja, eigentlich sind es nur 25 km/h, es kommt einem aber wirklich ganz viel schneller vor. Jeder durfte einmal alles fahren, also Hundeschlitten und Schneemobil. War aber beides irgendwie nicht halb so doll, wir nur zu sitzen und zu gucken. Und was es alles zu gucken gab. So viel Natur und Wald und Gebirge und gefrorenes Wasser. Und mittendrin vereinzelt mal ein Häuschen. Und ein orangener Holzmann, der uns sagte, dass wir jetzt an den Fluss kommen und wo es lang geht. Das letzte Stückchen sind wir zu Fuß gelaufen, weil wir den Fluss überqueren mussten und der schon taute. Das war zu gefährlich mit den Schlitten. Da fühlt man sich sicher. Das Camp, in dem wir dann 2 Tage blieben, war auf einem winzigen Berg direkt am Fluss. Der ist übrigens der gleiche, der zum Eishotel führt, aus dem die Eisblöcke gewonnen werden und der einer der saubersten Flüsse (Schwedens, Euopas, der Welt?) ist. Wir haben dort unser Trink-/Wasch-/Koch-/Saunawasser geholt und das schmeckte einfach gut! Ganz anders als doofes Leitungswasser. Als wir im Camp ankamen, hat Stig, unser Guide für die nächsten 2 Tage, grade seine Rentiere gefüttert. Ich glaube, das war eher ein bisschen Touristenattraktion zu Beginn, denn es waren nur 3 Stück da und die haben aus Trögen gefressen. Ich geh mal davon aus, dass seine Herde größer ist, als nur 3 Tiere. Und andere kamen nicht mehr. Wahrscheinlich konnten die sich schon selbst Futter suchen.

Nun mal ein bisschen Völkerkunde. Ich hoffe, ich erinnere mich an alles (richtig), was Stig, der ein echter Lappe ist, uns alles erklärt hat. Die Lappen sind ein Volk, dass in ganz Skandinavien lebt. Nicht nur in Lappland. Man nennt sie auch Saamen, aber Stig meinte, die Regierung hätte viel Geld dafür bezahlt, dass man nicht mehr Lappe sagt sondern Saame. Aber er will lieber Lappe genannt werden, weil sein Land auch so heißt. Im Internet steht oft, dass Lappen das nicht wollten, weil man das mit dem schwedischen Wort für den (Putz-)Lappen assoziieren könnte, aber Stig meint, das stimme nicht. Die Lappen leben vom Rentierzüchten. Sie sprechen eine Sprache, die mehr mit dem Finnischen und Ungarischen verwandt ist. Hallo heißt auf lappisch “Buores”. Und in die Sauna gehen Lappen erst seit kurzen, so wie wir auch. Aber in seinem winzigen Dorf 50 km nördlich von unserem Camp gibts es eine. Und zu unserem Guide gibts auch noch was zu sagen. Die Tour haben vor uns auch schon andere aus Sundvall gemacht und die haben uns immer gewarnt, Stig würde uns sagen, wir dürften auf keinen Fall seinen Hund anfassen. “When you touch the dog, I will touch you!” Wahrscheinlich, weil der Hund eigentlich ein Rentier-Hütehund ist und nicht so verhätschelt werden sollte, sagte uns die andere Hundeschlittenfahrerin nachher. Aber schon als wir ankamen haben sich einige der Mädels (wir waren insgesamt 10 Mädels) auf den Hund gestürzt und Stig hat nix gesagt. Es hat sich rausgestellt, dass er glaubte, wir seien die letzte Gruppe und so wurde sein Standartsatz “You are the last groupe, I don’t care.” Wir durften tatsächlich alles, was wir wollten. Ich hab aus versehen eine Lampe zerstört und er kam nur und sagte “Ja, hab ich gehört. Ist mir egal, ihr seid die letzte Gruppe, kümmert mich nicht.”

So nun zurück zur Tour. Im Camp gab es viele kleine Blockhütten. In einer war die Küche, der Essplatz und Stigs Schlafplatz. Zwei andere konnte ich nicht identifizieren, in einer war das Klo und in einer die Sauna und ein Umkleideraum. Die letzte Hütte war eine Strohhütte. Wir konnten uns aussuchen wo wir schlafen, in der Strohhütte oder in der komfortableren großen Holzhütte. Weil einige klaustrophobische Anfälle in der Strohhütte bekommen hatten, haben wir uns nach viel Gezank (jaja, 10 Mädels) für die Holzhütte entschieden. Eigentlich hatten wir gesagt, wir teilen uns einfach auf. Aber wir mussten unser Holz selbst sägen und hacken und für die 2. Hütte hätten wir 4 Körbe mehr gebraucht, also sind wir alle in eine Hütte gegangen. Zum Mittagessen gab es Nudeln mit Tiefkühlgemüse von Lidl oder Coop und Rentierfleisch. Coole Kombination. War aber lecker. Anschließend haben wir Stig zugeschaut, wir er im Räucherzelt sein Rentier räuchert. Das war, wie er uns erklärte, viel besseres Fleisch, als das, was wir grad gegessen haben. Also waren wir alle ganz gespannt auf abends, weil wir erwartet hatten, dass wir es da probieren werden. Falsch gedacht.

Danach mussten wir uns dann um unser wirkliches Abendessen kümmern. Also gingen wir Eisangeln. Erstmal haben 4 eine Angeln in die Hand bekommen, die so bunt und klein war wie Kinderangeln, und mussten sich jede an ein eigenes Loch setzten und warten. Dann hat der Rest ein Netz aus dem Wasser gezogen (das war ne tolle Technik, dass erzähl ich Dir, wenn wir uns treffen) und darin waren 9 Fische. Der erste war riesig und grün-gelb und vor allem tot. Stig hat den beiseite getan und gesagt, das er den Fisch nicht mag. Dann kamen noch zwei andere kleiner tote Fische zum Vorschein. Auch die hat er zur Seite getan. Also haben wir geschlussfolgert, dass wir keine Fische essen, die schon im Fluss verendet sind. Man weiß ja auch nicht warum. Aber als dann nur noch 6 weitere Fische auftauchten (super Wortspiel!) hat Stig die anderen beiden doch wieder genommen. Keine Ahnung warum. Dann haben wir in Gemeinschaftsarbeit alle Fische getötet, geschuppt und ausgenommen. Alles auf dem Fluss. Da sah es aus wie nach einem Massaker. Und überall an Körper und Kleidung hingen noch bis zum nächsten Morgen die doofen Schuppen. Nach etwa 2 Stunden haben wir eine kurze Wanderung durch den Wald gemacht. Stig hat uns Rentier-/Elch-Loch-Fallen gezeigt. Die älteste ist 7500 bis 8000 Jahre alt. Diese Löcher sind den Fluss lang im Abstand von vielleicht 5 Metern. Dazwischen hat man Zäune gebaut und dann sind andere aus dem Fluss gesprungen und haben die Tiere, die zum trinken gekommen sind, erschreckt. Und so sind die dann in die Falle getappt. Mittlerweile sind die eigentlich “außer Betrieb” aber im Schnee haben wir gesehen, das ein Rentier in eine Falle gelaufen ist. Das war aber schon wieder weg oder gekillt, als wir da waren. Im Camp haben wir dann Brot gebacken. Lappisches Brot. Und das war viel besser als das am Tag zuvor. Eigentlich ist das das gleiche Brot, wie es alle backen. Mehl, Wasser, Hefe, Salz und Zucker. (Doppelt so viel Zucker wie Salz…) Und dann schön kneten, gehen lassen und anschließend Fladen backen. Naja, keine Fladen, sondern eher Scheiben. Da gleiche hatten wir auch eine Woche vorher bei unserem pakistanischen Dinner (das übrigens insgesamt 6 Stunden gedauert hat, Kochzeit auch 6 Stunden). Aber trotzdem hat es ganz anders geschmeckt. Nach einigen Stunden hatte endlich jeder sein Brot gemacht und der Fisch war auch fertig. Den haben wir einfach mit Salz und Pfeffer in den Backofen geschoben. Dazu gabs noch Katoffelpüree aus der Tüte. Eigentlich war das sehr lecker, aber ich hatte etwas Hemmungen den Fisch zu essen. Die Biologiestudenten haben jedes Teil analysiert und als ich gefragt hab, was das dunkle Zeug sein könnte, haben die nur gesagt “iss das lieber nicht”. Hab ich dann auch gelassen. Nach dem Dinner (bei Kerzenschein übrigens) haben wir uns warm angezogen und versucht Polarlichter zu sehen. Und tatsächlich, wir haben welche gesehen. Das war wirklich toll. Irgendwie wusste ich vor lauter in den Himmel gucken garnicht, ob ich mir da Streifen am Himmel einbilde, oder ob die wirklich da sind, aber plötzlich hat das angefangen sich grün zu färben und zu tanzen. Einmalig! Als wir genug gesehen hatten, sind wir in die Sauna gewandert. Leider hatten wir kein Feuer mehr, sondern nur noch Glut. Aber Sauna im Stockdunkeln hat auch was. Nur die Duschen haben wir nicht gefunden. Vorm Schlafen wollte ich noch Wasser in der Küche holen. Und als ich rein kam saßen da am Tisch 2 unserer Mädels, von denen wir dachten, dass sie schon schliefen, weil sie nicht in der Sauna waren, und Stig und haben kräftig getrunken. Whiskey, Blutwutz (kommt aus Passau, hab ich gelernt) und zum Abschluss süßen Wein. Die Mädels sahen nicht ganz so gut aus, Stig dafür um so besser. Wir haben noch verabredet, dass er um 9 das Frühstück fertig hat und dann sind wir ins Bett. (Manch einer hat dafür 3 Anläufe gebraucht und den Rest der Gruppe aufgeweckt, weil alle dachten, sie würde bewusstlos am Boden liegen, nachdem sie 2 mal von ihrem 2 Meter hohen Hochbett gefallen war. Aber ihr ging es blendend.) Am nächsten Morgen haben wir alle etwas länger geschlafen. Um halb zehn kamen wir in die Küche und Stig war krank. Haha, krank. Der hatte den schlimmsten Kater seines Lebens. Er hat sich an dem Tag nur noch einmal bewegt um sein Fleisch zu grillen, das wars. Den Mädels gings super. Als haben wir unser Frühstück selbst gemacht und waren anschließend noch Langlaufen. Das war leider nicht besonders erfolgreich. Erstens, weil wir nicht wussten, wie das geht. Da haperte es schon am Skier an die Füße kriegen. Und zweites war der Schnee nicht mehr so gut. Wir sind bis zum Fluss gekommen. Da haben wir die Skier ausgezogen und sind ein Stück zu Fuß gelaufen. Aber das ganze Eis vom Fluß war weg und der Schnee nicht mehr so hart. Darum steckten am Ende 2 Leute tief in den Steinen vom Fluß fest und mussten frei gebuddelt werden. Ich glaube, Stig hätte uns was erzählt, da hin zu latschen. Aber er war ja krank. Weil wir so erschöpft vom Einsinken und Freibuddeln waren, habe wir uns in den Schnee, bzw. eigentlich auf den Fluß gelegt, ganz vorsichtig natürlich, und uns die Sonne aufs Gesicht scheinen lassen. Das war wirklich schön und überhaupt nicht kalt. Sowas erlebt man sicher nicht nochmal.

Als wir zurück im Camp waren, kam die Hiobsbotschaft für Stig: wir waren nicht die letzte Gruppe. Es kamen noch 3 Spanierinnen an. Olé, der arme. Aber erstmal konnte er noch schlafen und wir haben die Spanierinnen zum Fleischwurstgrillen eingeladen. Ohja, eine Grillhütte gab es auch noch, das hab ich glatt vergessen. Danach ging es dann zurück zum Bahnhof und von dort nach Sundsvall. Ohne weitere Zwischenfälle.

In der nächsten Woche haben wir dann viel gedreht und am Freitag musste ich schon wieder weg. Nein, ich musste nicht, ich wollte. Ich hatte mich nämlich mit Krissy in Stockholm verabredet, um ein Kleid für mich für ihre Hochzeit zu kaufen. Und natürlich, um einfach ein schönes Wochenende zu haben. Aber dann kam Eyjafjallajökull. Bis Donnerstag Morgen waren wir irgendwie ganrnicht so besogt. Aber Abends wurden dann die ersten Flüge für Freitag gestrichen und der Flughafen hier war schon den ganzen Tag gesperrt. Krissy sollte aber erst um 4 abfliegen, und so haben wir abgemachtm, dass ich um 2 mit der Bahn losfahre, falls ihr Flug noch nicht gestrichen wurde, da Bahn und Zimmer ja eh schon bezahlt waren. Ja und um 4 kam dann die Nachricht, dass nun auch ihr Flug nicht geht. Das war wirklich blöd! So war ich dann allein und einsam in Stockholm, der Stadt, die ich bei meinem ersten Besuch überhaupt nicht mochte. Ich bin erstmal zu meinen Gasteltern gegangen. Ja Gasteltern. Da die Hostels in Stcklm (so oder ähnlich kürzen die das ab) so teuer sind, haben wir uns entschieden bei Privatleuten zu wohnen. Die werden über eine Agentur vermittelt, man erfährt den Beruf des Hosts und die sind genau so teuer, aber man kriegt wenigstens Bettzeug und Frühstück. Als ich an kam, hab ich mich ein wenig erschrocken. Was denkst Du, wie alt mögen Leute, die nicht den gleichen Nachnamen tragen, aber zusammen wohnen, wohl sein, die ander bei sich wohnen lassen? Richtig um die 60 oder 70. 😀 Aber die waren wirklich sehr nett und bemüht. Die Frau, die mir alles gezeigt hat, konnte irgendwie kaum reden und schon garnicht englisch. Das war eigenartig, weil ich vorher mit ihr telefoniert hatte und wir uns gut verstanden haben. Am letzen Tag hat sie mir dann erklärt, warum. Sie hatte einen Tumor im Kopf, der musste operiert werden und vor einer Woche konnte sie noch garnicht sprechen. Und nun wird es jeden Tag besser. Das hat sie mir übrigens in dem besten Deutsch erklärt, was ich je von einem Nicht-Deutschen gehört habe. Und ihr Mann konnte auch super gut Deutsch. Mein Zimmer hatte übrigens Harry Pottter-Tapeten. Sehr hübsch. Aber ich hatte wirklich alles, was ich brauchte, und sogar alles, was ich nicht brauchte, z.B. Lockenwickler. Abends bin ich dann mal raus gegangen um meine Einsamkeit zu überwinden. Hat aber nicht so viel genutzt. Alle Kneipen waren so voll, dass ich mich nicht reingetraut habe und um 11 war ich dann wieder “zu hause”. Mit Krissy hab ich noch ein bisschen überlegt, wie sie sonst noch kommen könnte, aber es war einfach aussichtslos. Aber immerhin hat ein Freund aus Sundsvall meine Nachricht auf facebook gelesen und mir geschrieben, dass er zufällig auch in Stockholm ist. So hab ich dann noch die Secondhand-shops in Stockholm rausgesucht und wir haben uns für den nächsten Morgen verabredet, gemeinsam ein Kleid zu finden.

Ich bin extra früh aufgestanden, weil ich dachte, ich sollte vorher noch zu den Shops in meiner Nachbarschaft. Da gabs unter anderem einen Secondhand-shop von der Stadtmission. Insgesamt gibts in der Stadt ungefähr 10 davon und ich dachte, naja. Was man bei uns bei der Caritas so findet ist ja meist nicht so der Hammer. Aber das war echt spitze da. Als ich grad rein ging, kam eine Dame der oberen stockholmer Mittelschicht und hat ihre Klamotten auf den riesigen Berg gelegt. Und tatsächlich hab ich auch einen Rock von Esprit für 4 Euro gefunden. Und der ist echt hübsch! Und dann bin ich zu Onat in die Innenstadt gefahren. Während ich am Bahnhof gewartet habe, kamen wohl so um die 1000 Menschen an mir vorbei. Ich hab sie mir alle nur halbherzig angeschaut. Und plötzlich ist was passiert, dass werd ich so schnell nicht vergessen. Da kam ein Typ vorbei, den hab ich kurz angeguckt. Und er wollte auch nur kurz zurück gucken, wie man das auf der Straße in einer wildfremden Stadt eben so macht. Aber dann hat er mich nochmal angeguckt und nochmal, hat gedreht und kam auf mich zu. Ich hab immer noch nix gerafft und hab gefragt, ob wir uns kennen. Und er: “Ja, du bist in meiner Klasse!” Das ist nämlich so: Ich hab ja diese zwei Masterkurse gemacht. Und die Schweden darin sind wie eine Klasse, die alle Kurse gemeinsam machen. Ein Schwede war nur zweimal da, weil er in Östersund studiert. Quasi ein Fernstudium. Nun und genau der Schwede war das, der mich in Stockholm auf der Straße erkannt und angesprochen hat. Das war wirklich toll. Mal wieder ein Gefühl, dass man hier irgendwie daheim ist

Irgendwann kam Onat dann auch und wir sind zusammen in das super angesagte Jungdesigner-viertel gefahren. Da sollte es die tollsten Secondhand-shops geben und auch günstige Klamotten von weniger erfolgreichen Designern. Gefunden haben wir nix. In einem sehr kleinen Laden gab es wirklich schöne Kleider. Aber nicht ein einziges Preisschild. Die nette, alte Dame, hat gesagt, sie hätte auch Secondhandsachen und ich sollte doch mal das Kleid hier anprobieren. Sie könnte mir einen sehr guten Preis machen, weil sie bald in Rente ginge. Nach etwa einer Stunde anprobieren hat sie mir dann endlich mal einen “guten” Preis gesagt. 400 Euro. Pfffff, danke und tschüss. Nach weiteren Enttäuschungen sind wir dann wieder in die Innenstadt gelaufen um unser Glück und mein Kleid in der Massenproduktion bei H&M, Esprit, Vero Moda und wie die sonst noch heißen, zu finden. Auf dem Weg dahin, bin ich an einem schönen Ort vorbei gekommen. Das war ein Platz und von dort aus konnte man einen Kirchturm und ein Minarett sehen, Die standen direkt neben einander. Und kein Krieg dazwischen, sondern ganz viele unterschiedliche Menschen. Das war wirklich schön. Überhaupt hat mir Stockholm sehr viel besser gefallen als beim ersten Mal. Das lag wahrscheinlich zum einen am Wetter und zum anderen daran, dass Onat mir viele schöne Orte zeigen konnte, die er auf seinen hundert Reisen nach Stockholm entdeckt hatte. All diese Orte muss ich Tristan so bald wie möglich zeigen, damit auch seine eher unschöne Erinnerung an Stockholm vergeht. In der Innenstadt haben wir bio-Baked-Beans geschenkt bekommen. Als ich einige Tage später in der Uni saß, ahb ich beschlossen, die abends endlich zu essen. Ich hab mich so drauf gefreut. Und mit ein bisschen Cheddar wollte ich dir dann noch verfeinern. Also hab ich den reingekippt und erst dann gesehen, dass der total verschimmelt war. Das war echt traurig. Naja, zurück zu dem Kleid. Samstag hatte ich leider keinen Erfolg mehr. Sonntags bin ich dann nochmal alleine los und im ersten Laden hab ich direkt 3 Traumkleider gefunden. Also hab ich Krissy angerufen, ihr alles haarklein beschrieben und mich für das dritte entschieden. Aber irgendwie hat das noch nicht so richtig gepasst. Nun wollte ich also schauen, ob die das noch eine Nummer größer haben. Da kam doch tatsächlich eine Verkäuferin und hat alle in der Umkleide einzeln gefragt, ob alles in Ordnung ist, man noch etwas braucht und sie etwas tun kann. Die Chance hab ich natürlich genutzt und sie gefargt, ob sie nach der anderen Größe gucken kann. Und wenn sie hat, vielleicht auch noch einen Bolero für die Kirche. Die kam mit 5 verschiedenen Jäckchen wieder und hat mich braten, welche das beste ist. Nur die Nummer größer gabs nicht mehr, aber sie hat in der Filiale 50 Meter weiter angerufen und das richtige für mich reservieren lassen. Für die Zwischenzeit hat sie mir das Kleid in einer anderen Farbe in der richtige Größe gebracht, damit ich schon mal probieren kann. Mensch, das nenn ich mal Service! Und weil das gepasst hat, bin ich dann in die andere Filiale und hab es da gekauft. Übrigens hätte ich dafür nicht nach Stockholm fahren müssen, denn mein Traumkleid gibts bei Esprit…

Um 2 Uhr hatte ich also mein Ziel erreicht. Und dann konnte ich mich dem widmen, was ich schon das ganze Wochenende vorhatte. Sushi essen! Wenn man so durch Stockholm läuft und grade wirklich keine Zeit für Essen hat, sieht man hunderte von Sushibars. Nun wenn man wirklich man in einer essen will, dann gibts weit und breit keine. So bin ich durch die Gassen geirrt, aber hab wenigstens einiges schönes dabei gesehen. Und dann hab ich endlich ein Sushirestaurant erreicht und habe toll gegessen. (Gut, dass die Mittags fast alle entweder Buffet oder Discount haben.) Den Nachmittag haben wir dann damit verbracht, Hosen für 10 Euro und Socken für 2 Euro zu kaufen, Schuhe für 15 Euro zu probieren und alles anzugucken, was wir uns sonst noch nicht leisten können. Und dann ging es zurück ins vergleichsweise öde Sundsvall.

(Auf dem Bild siehts Du übrigens meine erste Fika, die ich komplett ich komplett auf Schwedisch bestellt hab. Das war super. Immer, wenn ich etwas nciht verstanden hab, hab ich gefragt „ursäkta?“ (entschuldigung) und die nette Kellnerin hat alles auf Schwedisch wiederholt. Das war wirklich toll von der, weil man hier nur selten diese Chance bekommt. Normalerweise wechseln dann alle sofort und sprechen Englisch.)

Öde war es in Sundsvall noch einige Wochen. Nachdem ich aus Stockholm zurück war lag wenigstens fast kein Schnee mehr, dafür war jetzt alles braun. Die Bäume haben keine Anstalten gemacht ihre Blätter zu zeigen und das Gras war noch ganz kaputt vom vielen, schweren Schnee. Aber seit einer Woche ist nun endlich Sommer. Den Frühling haben wir übersprungen. Wir hatten schon 23 Grad und BBQ. Und nun ist auch endlich alles grün und die letzten Winterdepressionen sind verflogen.

So für heute war es das erstmal. Ich gehe nun schlafen, werde morgen mal wieder drehen und zähle die letzten 11 Tage, die ich noch hier bin. Bis bald!

Fast vergessen hab ich den Helligkeitsbericht. Also, es wird so gegen 1 Uhr nachts für 20 Minuten ganz dunkel aber am Horizont kann man die Sonne schon wieder oder immer noch sehen. Jetzt ist 3 Uhr und es ist fast komplett hell. Die Vögel singen nun die ganze Nacht durch.

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